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Digitales Mindset: vom Lehrling bis zur Geschäftsführung

Digitalisierung ist längst nicht mehr nur eine Frage von Technik. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen geht es darum, Menschen mitzunehmen, Wissen zu sichern und gemeinsam neue Wege zu gehen. Wesentlicher Erfolgsfaktor dabei: ein digitales Mindset entwickeln. Wie das ganz konkret funktionieren kann, zeigt ein familiengeführter Rauchfangkehrerbetrieb: Im Rahmen der Demografieberatung Digi+ haben die Eigentümer, das Ehepaar Habian gemeinsam mit der Beraterin Marion Lercher Digitalisierung & KI im Betriebsalltag verankert.

Im Interview erzählen sie, was sich dadurch im Betrieb verändert hat, welche Erfahrungen sie gemacht haben und warum Digitalisierung für sie heute vor allem eine Frage der gemeinsamen Entwicklung ist.

 

 

Wann haben Sie gemerkt, dass Digitalisierung eine Notwendigkeit für Sie ist?

 

Drei Momente haben uns gezeigt, dass Digitalisierung für uns kein „Nice-to-have“ ist.

  • Der erste war der Fachkräftemangel: Ohne Sichtbarkeit, etwa über Social Media oder Kooperationen mit Schulen, erreichen wir junge Menschen heute kaum noch.
  • Der zweite Punkt war der drohende Wissensverlust. Viele unserer erfahrenen Mitarbeitenden verfügen über enormes Know-how, das bisher vor allem im Kopf gespeichert war.
  • Der dritte entscheidende Moment war die Erkenntnis: Digitalisierung funktioniert nur gemeinsam. Im Workshop mit dem gesamten Team wurde sichtbar, wie viel Wissen, Erfahrung und Veränderungsbereitschaft in allen Generationen steckt.

 

Wissenssicherung, Nachwuchsarbeit und die gemeinsame Arbeit im Team hängen eng zusammen. Erst als wir begonnen haben, das Ganze als Gesamtprozess zu sehen, hat sich auch unser Mindset verändert. Das war der Punkt, an dem wir gesagt haben: Jetzt braucht es ein gemeinsames digitales Mindset. Und für uns war klar: Wir gehen diesen Weg als Team – vom Lehrling bis zur Geschäftsführung.

Veränderung löst oft Skepsis aus. Wie sind Sie damit umgegangen?

 

Zu Beginn gab es natürlich Unsicherheiten – das ist ganz normal. Bei erfahrenen Kolleg*innen kam oft die Frage auf: „Bin ich dafür nicht schon zu alt?“ Dahinter stand weniger Ablehnung als vielmehr die Sorge, etwas nicht zu verstehen oder Fehler zu machen. Jüngere Mitarbeitende hatten andere Fragen: Kommt zusätzliche Arbeit auf uns zu? Wird plötzlich alles dokumentiert?

 

Im gemeinsamen Austausch wurde klar: Niemand muss alles können. Jede Generation bringt etwas Wichtiges ein. Diese Erkenntnis hat viel Sicherheit geschaffen und gezeigt: Digitalisierung passiert nicht gegen das Team, sondern mit dem Team.

Was waren die entscheidenden Schritte, um Skepsis abzubauen?

 

Der wichtigste Schritt war, die Bedenken offen anzusprechen und ernst zu nehmen. Wir haben nicht einfach über Digitalisierung gesprochen oder diese „angeordnet“, sondern wir haben gemeinsam überlegt: Was brauchen wir im Alltag und welche digitalen Lösungen können uns dabei unterstützen?

 

Unsere Idee: mit kleinen Schritten Entlastung bewirken und Spaß an der Digitalisierung haben:

  • Wir haben unsere Arbeitsschritte mit Audio- und Videoaufnahmen dokumentiert und mit KI-Unterstützung weiterverarbeitet. So wurde aus dem mühsamen Protokollieren von Arbeitsprozessen eine einfache und nachhaltige Wissenssicherung.
  • Wir haben einen Lehrling und einen erfahrenen Mitarbeiter gebeten, gemeinsam ein Handyvideo über den Alltag von Rauchfangkehrer*innen für Social Media zu erstellen.

Das waren die Momente und Erfolge, die die Stimmung komplett verändert haben. Plötzlich war spürbar: Wir können das gemeinsam schaffen.

Was würden Sie anderen Unternehmer*innen empfehlen?

 

  • Bedenken ernst nehmen und gemeinsam Lösungen entwickeln.
  • Mit einfachen Anwendungen starten, die sofort einen Nutzen bringen.
  • Mitarbeitende aktiv einbinden – vom Lehrling bis zur Führungskraft.
  • Kleine Erfolge sichtbar machen und daraus lernen.
  • Die eigenen Fortschritte auch nach außen zeigen.
  • Und unser wichtigstes Learning: Digitalisierung muss mit konkreten Herausforderungen im Arbeitsalltag beginnen.
Woran erkennen Sie heute, dass das digitale Mindset nachhaltig im Unternehmen verankert ist?

 

Für uns ist Digitalisierung kein Projekt mit einem Anfang und einem Ende mehr, sondern Teil unserer Arbeitsweise geworden. Wir fragen heute selbstverständlich: Wie können wir etwas digital lösen? Wissen wird dokumentiert, Abläufe werden unterstützt und digitale Werkzeuge gehören immer mehr zum Alltag – über alle Generationen hinweg. Besonders schön ist zu sehen, dass die Impulse mittlerweile aus dem Team selbst kommen. Früher kam die Frage von der Führung: „Wie werden wir digitaler?“ Heute fragen Mitarbeitende: „Wie können wir das digital umsetzen?“

Das zeigt uns: Wir haben ein gemeinsames Verständnis von Digitalisierung entwickelt. Sie hilft uns, Wissen zu sichern, Nachwuchs anzusprechen und unseren Betrieb zukunftsfit weiterzuentwickeln.